
von Julia Lanig; jugendfotos.de
• WIRsein • In dieser Woche präsentierte das Bundesministerium des Inneren den Forschungsbericht „Jugendliche in Deutschland als Opfer und Täter von Gewalt„, der in Zusammenarbeit mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. entstand. Das Dokument liefert erschreckende Zahlen hinsichtlich der Ausländerfeindlichkeit der Jugend der Bundesrepublik.
Seit 1998 werden Untersuchungen in Städten und Landkreisen Deutschlands vorgenommen, in den Jahren 2007 und 2008 sind 44.610 Jugendliche befragt worden. Die Probanden sind im Durchschnitt 15- jährige Schüler aus neunten Klassen aller Schulformen. Das aktuelle Dokument ist ein erster Forschungsbericht, ein weiterer soll im zweiten Halbjahr diesen Jahres vorgelegt werden. In dieser nachfolgenden Erhebung sollen vertiefende Fragen geklärt werden, etwa die Integration junger Immigranten.
Der aktuelle Bericht hingegen bietet einen Überblick der Jugenddelinquenz sowie der Ausländerfeindlichkeit in Deutschland. Ein großer Anteil der Forschungsergebnisse zeichnen durchaus positive Entwicklungen ab: So ist die Anwendung von Gewalt unter Jugendlichen in den letzten Jahren zurückgegangen oder zumindest gleichgeblieben. So sind „Raufunfälle“, also gewalttätige Auseinandersetzungen an Schulen bei denen ärztliche Versorgung in Anspruch genommen werden musste, um 31,3 % zurückgegangen. Außerdem sollen höhere Bildungschancen für Schüler eine präventive Wirkung aufweisen. Das gelte vor allem für junge Migranten.
Trotz dieser Ergebnisse zeigt der Bericht eine große Gefahr auf, die sich auf die Einstellung der Jugendlichen hinsichtlich Ausländer bezieht. In einer Zusammenfassung des Dokuments heißt es:
„Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und Rechtsextremismus prägen das Weltbild einer Minderheit von Jugendlichen; in einigen Gebieten fällt deren Anteil allerdings alarmierend hoch aus.„
(Zsf. Forschungsbericht Nr. 107, 2009: 6)
Die Zahlen sprechen für sich: 14,4 % der Befragten zeigen ausländerfeindliche Einstellungen, eindeutig rechtsextrem sind 5,2 %, stark antisemitisch sind 4,3 % der Jugendlichen. Darüber hinaus stimmten 29,7 % der jungen Befragten der Aussage „InDeutschland gibt es zu viele Ausländer“ zu. Zusammengerechnet beäugen demnach 53,6 % der Jugendlichen Migranten kritisch, von leichter Ablehnung bis hin zu radikalem Rechtsextremismus. Weitaus höher liegt die Zahl derjenigen, die laut des Berichts „ausgeprägte Sympathien“ (Zsf. Forschungsbericht Nr. 107, 2009: 6) für derartige Äußerungen haben. Dieser Prozentsatz beläuft sich auf knapp 81 %.
Erschreckende Zahlen, zeigen sie doch die Realität der deutschen Jugend, die schlechtere Ergebnisse als gedacht liefert. Nun muss sicherlich relativiert werden, dass rechte Organisationen auf „Bauerfang“ sind, also förmlich gesagt leichtgläubige Jugendliche schluckt und ihnen eine Meinung vorsetzt.
Fakt ist aber, dass solche Vereinigungen Ziele ganz zu ihren Wünschen erreichen, wie es der Bericht erweist. Wie also reagieren? Diese Frage ist selbstredend schwer zu beantworten. Verstärkte Investitionen in die Bildung? Eltern auf etwaige Probleme hinweisen? Gerichtliche Verbote rechter Organisationen? Mehr Jugendverantsaltungen gegen Ausländerfeindlichkeit? Erneut stehen Fragen zur Auswahl, deren Lösung in jeder Hinsicht komplex ist und ein durchdachtes Vorgehen fordert. Ernüchternd: Reaktionen der Politik blieben bisher aus.
Weitere Informationen sind auf den Internetseiten des Bundesministerium des Inneren hier nachzulesen.
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Tags: Ausländerfeindlichkeit, Bundesministerium des Inneren, Forschungsbericht, Gesellschaft, Jugend, Jugendliche, Jugendliche in Deutschland als Opfer und Täter von Gewalt, Menschen, Moral, Politik, Rechtsextremismus


Name: Patrick Simm


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