• FILMsein Der Baader Meinhof Komplex
Rückblick in das Jahr 1967: Studenten demonstrieren gegen den persischen Schah vor der Deutschen Oper in Berlin. Die Veranstaltung gerät außer Kontrolle, Farbbeutel werden geworfen, Befürworter des Schahs gehen auf die Demonstranten los. Dann greift die Polizei ein. Mit Knüppeln wird die Masse zurückgehalten, getreten, geschlagen, verletzt. Es fällt ein Schuss. Es ist der 2. Juni 1967: Der Student Benno Ohnesorg wird erschossen. Es ist der Beginn einer Zeit voller Unruhe und Unsicherheit in der noch jungen Bundesrepublik Deutschland.

Wir sagen, der Typ in der Uniform ist ein Schwein, das ist kein Mensch.

(Ulrike Meinhof)

Der Baader Meinhof Komplex nimmt kein Blatt vor den Mund. Brutalität wird gezeigt, nicht mit einer Ausblende den Augen des Zuschauers ferngehalten. Uli Edels Film nach dem gleichnamigen Buch von Stefan Aust wirkt authentisch. Und erzählt vom Terror in Deutschland.
Nach dem Tod Ohnesorgs radikalisiert sich die Außerparlamentarische Opposition (APO) extrem. Die APO war vor allem in deutschen Universitätsstädten wirksam und wurde durch den Sozialistischen Deutschen Studentenbund getragen. Der Staat wurde als faschistisch angesehen. „Gewalt kann nur mit Gewalt beantwortet werden„, ruft Gudrun Ensslin auf einer weiteren Demonstration am 2. Juni. Sie ist Gründungsmitglied der Roten Armee Fraktion, kurz RAF.
Nachdem Bomben in zwei Frankfurter Kaufhäusern explodieren, wird Andreas Baader (Moritz Bleibtreu) festgenommen. Seine Befreiung aus der Haft ist zugleich die Geburtsstunde der 1. Generation der RAF, unter anderem mit Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) und Ulrike Meinhof (Martina Gedeck).

Was ist denn das für eine scheiß-bourgeoise Frage? Wir machen das, und wenn wir dabei drauf gehen!

(Andreas Baader)

Banken werden überfallen, US-Militärstützpunkte in der BRD durch Sprengsätze der RAF zerstört. Im Juni nun scheint der Terrorismus mit der Gefangennahme von Baader, Ensslin und Meinhof eine Ende zu haben. Der Bader Meinhof Komplex zeigt die Ohnmacht des Staates gegen den Terrorismus. Polizisten rennen offen in die Schiesserei, niemand scheint eine angemessene Reaktion auf die RAF zu finden. Dabei überzeugt auch nicht Bruno Ganz in seiner Rolle als Horst Herold, Präsident des Bundeskriminalamts. Zu stark erinnert die Stimme mit dem außergewöhnlichen harten Akzent an die Rolle als Adolf Hitler in „Der Untergang“. Es fehlt lediglich, ein Zittern der rechten Hand.
Umso stärker überzeugen Moritz Bleibtreu, Johanna Wokalek und Martina Gedeck in ihren Charakteren. Baader ist aggressiv, beinahe cholerisch. Er schreit wild herum, ist von den Aktionen und Kommandos fest überzeugt. Oft muss ihn seine Partnerin Gudrun Ensslin beruhigen. Erstaunlich ist der Wandel von Ulrike Meinhof: Weg von der Journalistin hin zur Terroristin. Sie verlässt ihre Kinder und ihren Mann (Jan Josef Liefers) für die RAF.
Während die erste Generation zur Haft in das Stammheimer Gefängnis überführt wird, lebt der Mythos der RAF „draußen“ weiter. Es folgen die nächsten Generationen mit der Entführung Hans Martin Schleyers oder etwa dem Mord an Generalstaatsanwalt Buback. Brigitte Mohnhaupt (Nadja Uhl) ist die Verbindung zwischen den Generationen. Auch sie war in Stammheim, jedoch nur wenige Jahre. Nun hält unter anderem sie die Stadtguerilla RAF weiter am Leben.
Der Baader Meinhof Komplex zeigt die dunkelsten Jahre in der BRD. Gleichzeitig berichtet er über die Motive, die ideelen Werte hinter den Anschlägen und Morden. Erstaunlich und lobenswert dabei ist die enge Anbindung an die Wirklichkeit. Regisseur Uli Edel und Produzent Bernd Eichinger liefern dem Zuschauer schwere Bilder. Es muss ja nicht immer eine kochende Ratte oder ein Stoffhasen ohne Ohren im Mittelpunkt der Handlung stehen.

Was furchtlos zu dem Film meint.



5 Responses to “„Nur die Knarre löst die Starre“”  

  1. Alles, was Bruno Ganz spielen wird, wird an seine Rolle als Hitler erinnern.

  2. Der Stoffhase ohne Ohren war aber auch einen Kinobesuch wert. ;)

  3. @ robert: ja, das glaube ich auch – seine rolle in „der untergang“ war einfach zu stark.

  4. 4 Max

    Ist zwar spät, aber besser spät als nie: Ganz’ Stimme ist schon immer so hart, er hat auch vor seiner Hitler-Rolle so gesprochen. Auch auf der Theaterbühne spricht er etwa in der Rolle des Faust mit diesem Sprachduktus (heißt „Lautverdunklung“); das ist seine normale Sprechweise, wenn er Texte bewusst artikuliert (also in Interviews etc. ist das etwas sanfter). Nur kannte man Ganz vor dem „Untergang“ nicht wirklich, er ist ja in erster Linie Theaterschauspieler.

    Ganz spricht in der Rolle des Horst Herold also nicht bewusst wie damals in seiner Hitler-Rolle, sondern eher so, wie er immer spricht, wenn er auf der Bühne steht oder wenn eine Kamera läuft.

    (By the way: Viele Grüße von einem, der wahrscheinlich auch bald in Konstanz Politik- und Verwaltungswissenschaft studiert. ;-) )


  1. 1 Deutscher Herbst im Kino « Wahlberliner(in)

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