Aus dem TAGESSPIEGEL vom 21. August 2008, Seite 1: „Bachelor Abschluss: Drei Jahre, 42 Prüfungen“ von ANJA KÜHNE

Er dauert drei Jahre, beinhaltet zu wenig Freiheit für Studierende, dafür umso mehr Lernstoff und Prüfungen: Der Bachelor-Studiengang. Die Hochschulreform im Rahmen des Bologna-Prozesses aus dem Jahr 1999 sei gescheitert, behaupten die Kritiker. Die Professoren würden keinen Lernstoff kürzen oder kompakter verpacken: Was mit alten Abschlüssen in vier Jahren vermittelt wurde, ist nun Stoff für drei Jahre. Hinzu kommt noch ein sechsmonatiges Praktikum, dass die Zeit an der Universität zusätzlich verkürze. Nach all der Mühe aus drei Jahren, bringe der Bachelor-Abschluss für Absolventen nur mäßige Chancen für den Einstieg in das Berufsleben mit sich. Somit wäre das Ziel eines schnellen Berufseinstieg durch den Bachelor komplett verfehlt.

Der Bachelor-Studiengang, ein unausgereifter Schnellschuss?

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4 Responses to “UNIgeschichten [11] „Die Lern-Brechsucht“”  

  1. 1 mooki

    Der Bachelor-Studiengang ist seit seiner Einführung immer wieder heftig diskutiert worden. Als ich damals an der FU Berlin angefangen habe, hat sich vor allem der Asta extrem gegen das neue System gestemmt (meiner Meinung nach, weil die Einführung des Bachelors zeitgleich das Auslaufen der alten Studiengänge hieß und somit keine Studienzeiten von 20 Semestern mehr drin sind).

    Das Thema ist schon recht zwiespältig. Der Bachelor hat für mich viele Vorteile: Ich kann in drei Jahren einen Uni-Abschluss machen, meinen Master kann ich in einem verwandten Fach machen, eine Umorientierung ist kein Problem. Zwar sind die Abschlusse schon deutschlandweit nicht wirklich vergleichbar (vorher war das aber auch nicht anders), aber immerhin wissen viele Unis im Ausland jetzt wenigstens was mit dem Abschluss anzufangen.

    Der Bachelor als „Zerstörung der deutschen Universität“ finde ich etwas hoch gegriffen. Es läuft vieles nicht so, wie es sein sollte. Aber das liegt (da muss ich dem Tagesspiegel zustimmen) einzig an der Konzeption der Studiengänge durch die Professoren. Interessanterweise sind das immer genau jene, die alle Schuld von sich weisen wollen.

    Was die weiteren Punkte auf der Negativliste betrifft: Die Behauptung der Bachelor sei nur ein Schmalspurstudium mit geringerer wissenschaftlicher Qualität ist irgendwie auch in den Universitäten entstanden. Vor allem die Fachschaften, aber auch viele Professuren haben genau dieses Bild vermitteln wollen. Ist aber recht unsinnig: In meinen Veranstaltungen sitze ich immer mit Leuten der „alten“ Studiengänge. Die Grundlagenkurse müssen eh alle machen (und im Bachelor wird einem sogar vorgeschrieben, die zuerst zu machen – nein, wie fies!) und ansonsten hat man insgesamt nur wenige Kurse weniger als Magisterleute. Die Inhalte sind nahezu identisch, werden nur in kürzerer Zeit und mit mehr Prüfungen vermittelt.

    Dass die Abbrecherzahlen sinken werden, halte ich für unwahrscheinlich. Denn die Verschulung hat viele Nachteile: im Bachelor und Master herrscht Anwesenheitspflicht. Meist liegt die so bei 70 Prozent. Konkret heißt das zwei bis drei Mal Fehlen ist erlaubt. Das ist vor allem für die Leute schwierig, die arbeiten müssen und vielleicht keine festen Arbeitszeiten haben. Dafür haben die Professoren (auch die jüngeren, die sich an ihre eigene Situation vielleicht noch erinnern könnten) aber wenig Verständnis.

    Und die Anerkennung in der Berufswelt ist glaube ich besser als es immer wieder verkauft wird. Allerdings ist es nicht verwunderlich, dass der Stand so schlecht ist, wenn die Leute, die die Inhalte verantworten, nur Schlechtes über das Studium sagen.

  2. 2 mooki

    gibt es „continue reading“ auch für Kommentare? ;)

  3. 3 der Franzose

    Das weiß ich noch nicht einmal ^^, aber lass dir keine Grenzen setzen ;)

  4. Ich denke auch, dass der Bachelor hauptsächlich schlecht geredet wird und die Abbrecherquoten nicht sinken werden. Na ja, aller Anfang ist schwer. Bei uns unterrichten mittlerweile die ersten Dozenten mit Masterabschluss. In Zukunft wird sich hoffentlich die Qualität der Studieninhalte (und nicht der Abschlüsse) verbessern.


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