Die Oranienburgerin Stefanie Semper verlässt Deutschland für ein Jahr

• WELTsein Jugendliche im Ausland. Mit einer Mütze und einem Rucksack berichten die Weltenbummler tagtäglich in sämtlichen Fernsehprogrammen über alltägliche Dinge. Penibel halten sie Erinnerungen in ihrem Video- Tagebüchern fest. Schritt für Schritt werden die Freiwilligen in allen Ländern von Kameras auf dem Bildschirm gezeigt. Wie sie einkaufen. Wie sie neue Städte entdecken. Wie sie sich vor einheimischen Esstraditionen ekeln. Auch der 19- jährigen Abiturientin Stefanie Semper steht eine solche Zeit bevor. Bloß ohne Fernsehkameras.
Die Schülerin des Louise- Henriette- Gymnasiums plant, für 12 Monate ins Ausland zu gehen. Stefanie hatte sich für Argentinien und Costa Rica beworben. Nach knapp einem Monat Wartezeit folgte Anfang April eine Antwort ihrer Austauschorganisation: Ihr Ziel ist das mittelamerikanische Costa Rica. Beworben hat sich die Oranienburgerin bei dem „Diakonischen Jahr in Ausland“ (DJiA), einer christlichen Entsendeorganisation der neu gegründeten Initiative „weltwärts“.
„weltwärts“ wurde am 3. September 2007 ins Leben gerufen. „Doch schon als wir Anfang letzten Jahres die Absicht zur Schaffung eines Förderprogramms veröffentlicht haben, gingen über 1000 Anfragen ein“, erklärt Holger Illi, Pressesprecher der Initiative. Im Gegensatz zum „Freiwilligen Sozialen Jahr“ unterstützt der Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung nur Auslandsaufenthalte in Entwicklungsländern, die von der OECD als solche ausgewiesen sind. „Wir wünschen uns, dass Jugendliche zum einen ihren Horizont erweitern, zum anderen aber auch zur Völkerverständigung beitragen und vor Ort konkrete Hilfe leisten“, so Illi. Nach dem Motto „Lernen durch tatkräftiges Helfen“, sollen Teilnehmer Erfahrungen aus der Ferne auch mit nach Deutschland bringen und einen Beitrag zur Bildungsarbeit leisten.
Stefanie versuchte bereits in der elften Klasse für ein Jahr ins Ausland zu gehen, erhielt jedoch kein Stipendium des Bundestages. Auf dem Kirchentag von Köln im Sommer 2007 entdeckte die junge Oranienburgerin dann die Organisation „Diakonisches Jahr im Ausland“. Ihr Auslandsjahr, das im September beginnen wird, sieht die Gymnasiastin vor allem als Chance soziale Kompetenzen zu erlernen. „Ich erwarte mit einer erweiterten Weltsicht zurückkommen“, erzählt sie. „Ich werde versuchen, nicht nur Gast dort zu sein, sondern mich auch einzuleben.“
Neben den eigenen Zielvorstellungen wird die 19-Jährige auch ihre Pflicht als freiwillige Entwicklungshelferin leisten. Die Organisation „OIKOS“, ein lateinamerikanischer Partner der Aktion „Brot für die Welt“, der mit dem DJiA zusammenarbeitet, bietet dabei verschiedenste Projekt in den Gastländern an. So kann Stefanie in Costa Rica bei einem Fußballprojekt mitarbeiten. Im Vordergrund steht bei diesem Projekt die Arbeit mit sozial benachteiligten Jugendlichen. So ist bei „Fútbol por la vida“ der Name Programm: „Hier werden auch soziale Fähigkeiten gelehrt, wie beispielsweise Teamwork“, erklärt Stefanie.
Unterstützt wird die Abiturientin finanziell von „weltwärts“. Pro Monat steht den Teilnehmern ein Taschengeld von 100 Euro zu Verfügung. Ebenso lässt das Förderprogramm den Entsendeorganisationen 480 Euro zukommen, womit die Verpflegung oder Flüge bezahlt werden. Der ganzjährliche Aufenthalt im Ausland ist für alle Teilnehmer somit komplett kostenlos. „Wir wollen der Jugend ermöglichen, sich auch ohne eine dicke Brieftasche entwicklungspolitisch zu engagieren“, berichtet der Pressesprecher Holger Illi. Stefanie ist dennoch bereit, 1750 Euro zu zahlen, wie es in dem Solidaritätsprinzip des DJiA geregelt ist.
Trotz der Vorkehrungen: „Ein bisschen Abenteuer ist es dann doch schon, nicht zuletzt wegen der großen Distanz von zu Hause“, gibt Stefanie schmunzelnd zu. Nach dem Jahr auf der Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika will sie ihre Erfahrungen auf Seminaren an künftige Projektteilnehmer weitergeben.



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