Das Club-Gefühl
• ALLTAGsein • Es ist ein Stück der Jugend. Ohne das Club-Gefühl hat ein junger Mensch eine Menge verpasst. Egal wie man es nun nennt: Spaßvögel sagen “Zappelbude” – haha, wie lustig -, Konservative sagen “Disko” – boah, wie angestaubt – und die Modernen sagen knapp und kurz: Club.
.Phase eins – Prepare yourself
Denn hier geht es nicht nur ums Tanzen, es geht ums Sehen und Gesehen werden, um die Emotion, dabei zu sein. Am Besten kann man das in Berlin. Na klar: Wo denn auch sonst? Wie fängt ein solcher Abend an, an dem meine Freund und ich Abstand gewinnen, von dem, das sich da Schule und Abitur und so nennt? Allerdings: Erstmal vorbereiten. Ein Treffen vor der Fahrt nach Berlin, ein wenig ausgelassen plaudern. Oder noch besser: Zuvor in eine Bar gehen. Das ist Großstadt, das ist das Dazugehörigkeitsgefühl.
.Phase zwei – On the road
Und dann: Die Fahrt nach Berlin. Mit dem Auto, bei uns entweder einem Nissan Micra, dessen Baujahr weit in die 90er, wenn nicht sogar Ende der 80er reicht. Abgerundet wird das sonst so eckige Design, wenn es dann als solches bezeichnet werden darf, durch das Sympathischste auf der Welt: Dem Deckel einer Sahnesprühdose auf der Anhängerkupplung.
Schon im Wagen wird mit zu ein wenig Musik gedanced – bei uns heißt es so, “dancen”. Ab und zu auch mal “raven” oder “rappen”. Ab und zu. Von Deichkind über The Rakes bis hin zu Timbaland – alles das ist willkommen. Allmählich steigt dann die Spannung. Vor dem Club, wie sollte es anders sein: Eine Schlange. Von drinnen drönt der Bass, “Hamma” von Calcha Candela ist zu hören. “Abgefahrene Butze, wat Alter?”, fragt ein junger Mann seinen Freund, der Phase eins zu stark betont zu haben scheint. Von links nach rechts schwankend fragt er sich, wie an dem Türsteher vorbeizukommen ist. Dieser hat nach Schätzungen eine Spannweite von vier Metern und ist über zwei Meter groß. Naja, nicht unser Problem. Denn wir sind legal durch die Ausweiskontrolle durch, auch wenn einer der Türsteher an meinem Alter zweifelt. Haha, wie lustig.
.Phase drei – Move your body
Jacken schnell in der Gardrobe abgeben, denn es lockt, das Club-Gefühl. Licht und Ton lassen den trüben Alltag hinter sich. Rauf auf die Tanzfläche, die selbstverständlich schon überfüllt ist. Aber irgendwo findet sich immer ein Platz. Und dann ist da ein Stück Solidarität mit den anderen Club-Gängern. Bei einem guten Lied schon mal gejubelt, für ein schlechtes dann eher bedrohlich gepfiffen. Und das ist okay, das muss so sein. “Ey Dj, bring den Tune zurück, mach keine Faxen, die Meute spielt verrückt, der ganze Club brennt und alle schreien im Chor: Wir wollen feiern, wir wollen Party, wir wollen Bässe im Ohr!” Ja, das wollen wir. Für eine Nacht. Von 23 Uhr bis 5 Uhr morgens. Muss doch auch mal sein, oder?
Während sich in der Ecke ein Päarchen ineinander verschlungen hat, sodass ein Außenstehender Frau von Mann nicht mehr unterscheiden kann, duschen sich in der Küche – ja, der Leser sieht hier richtig – Menschen. Und rennen dann mit einem Handtuch um die Hüfte in den Club, rein in die “dancende” Menge. Das alles scheint so weltenfremd, dass ein Betrachten des existierenden, absurden Szeneraios Spaß macht. Wer jetzt den klischeehaften Hoody trägt, der kann das zu Recht sein Zuhause nennen.
.Phase vier – One last time
Trotz allem tritt die Ermüdung ein. Woran man das merkt? Ganz einfach: Alle sitzen und gucken auf den Boden oder nippen ab und zu an einem Getränk. Bis dann einer sagt: Wollen wir dann langsam los. Plötzlich: Alle wach. Zwar sind wir noch immer müde und doch recht träge, nach Hause will aber noch keiner. Ein letztes Mal auf die Tanzfläche, bloß nichts verpassen. Aber nach dem nächsten Lied gehen wir. Na gut, danach. Naja, wenn das nächste dann halt vorbei ist. Und dann zeigt die Uhr doch eine Stunde mehr an, nachdem der letzte motivierende Spruch ausgesprochen wurde.
.Phase fünf – Back to the roots
Wir verlassen den Club. Zufrieden und ausgelaugt. Zu Hause so gegen sechs. Kaum einer kann noch etwas sagen. Ob aus Erschöpfung oder aus Überwältigung. Und es ist dieses Gefühl, mein persönliches Club-Gefühl: Der Weg aus dem Club, zurück an die Luft. Der Bass wird leiser, die Ohren gewöhnen sich an eine ungewöhnliche Stille. Der Weg zu Auto erscheint wie ein erneuter Energieschub, obwohl der Körper mit schweren Füßen und einem Zuklappen der Augen klar signalisiert: Schluss für heute. Denn ein nächstes Mal wird kommen. Unter Garantie.
Und was ist dein Club – Gefühl?
Filed under: freithema | 3 Comments
Tags: Alternativ, Clubbing, Event, Feier, freizeit, Freunde, Jugend, Jung, Menschen, Musik, Party, Töne


Name: Patrick Simm



In was für nem Club wart ihr da?
Das ist allgemein zu sehen. Ob White Trash Fast Food, Mudd Club, Fritz Club, Kulturbrauerei oder Magnet. Welchen Club kannst du denn empfehlen?
Den Text find ich klasse – hättest du vielleicht Lust, mal etwas für die Berliner Gazette zu schreiben (www.berlinergazette.de) – schreib mir einfach eine mail. Magdalena