>>Teil 2 der Serie – Vielfalt im Quartier Latin

Das Pariser Studentenviertel Quartier Latin

• WELTsein • Passend zum neuen Monatsthema Vielfalt nun Folge zwei der Serie. Denn was wäre Paris ohne die 68er? Was wäre die Seine – Metropole ohne die Sorbonne, das Institut de France und das Panthéon? Nichts. Denn hier spielt sich das junge Leben ab, hier wird gelernt und gelehrt. Das Pariser Viertel Quartier Latin im Überblick.

Balzac, ein französischer Schriftsteller aus der Epoche der Romantik, beschrieb das Quartier Latin folgend: „Keines der Pariser Stadtviertel ist grausiger und keines ist – sagen wir es getrost – unbekannter.“ Gewiss muss bedacht werden, dass der große Franzose zwischen 1799 und 1850 lebte und zu damaliger Zeit mit seinen Worten die Gegend um das Panthéon treffend beschrieb.
Das Quartier Latin stank abstoßend. Im Süden befanden sich Gerberein und Färberein, aus denen Kutschen mit noch qualmenden Tierfellen kamen. Modriger Duft von Chemie und Kadaver stieg aus den Schlachthöfen auf. Kriminalität war in dem Straßenlabyrinth Alltag. Die kleinen Gassen und Abkürzungen wurden zur Flucht vor der Gendarmerie genutzt – mit Erfolg.

Shakespeare & Co.

Das Viertel galt unter der Herrschaft Napoléons III als mittelalterlich intakt. Unter seinem Befehl wurde die Metropole durch Baron Hausmann umgestaltet. Enge Straßenzüge wurden durch breite Boulevards ersetzt, die Häuser wurden einheitlich gebaut. Davon blieb auch nicht das Quartier Latin verschont. So wurde im Norden das Boulevard Saint Germain angelegt, welches sich mit dem Boulevard Saint Michel und der Rue Saint Jacques kreuzt. Und doch blieb der Charakter des Viertels noch erhalten. So finden sich noch zwischen der Seine und dem Boulevard Saint Germain enge Gassen mit kleinen, baumbestandenen Plätzen, die das mittelalterliche Flair wiederaufleben lassen.
Trotz der negativen Facetten des Quartier Latins, ist es zugleich ein Vorzeigeviertel der Pariser Elite. Der Ursprung des zweitältesten Viertels auf der Rive Gauche (linkes Flussufer) liegt im sechsten Jahrhundert. Damals wurde eine Abtei gegründet. Die Kirche Saint – Germain – Des – Prés zeugt als Überrest der Klosteranlage. Die Sorbonne, die zwar erst vor hundert Jahren erbaut wurde, jedoch Zeuge von 800 Jahren Universitätsgeschichte ist, bildet das historische Zentrum der Pariser Universität. Hier spielten sich im Mai 1968 die Unruhen ab, welche zum Ende der Regierung unter Charles – De – Gaulle führte. Nicht zu vergessen bei der Erwähung des Viertels der Intellektuellen sind die Cafés Les Deux Magots, das Café Flore, sowie die Brasserie Lipp. Hier arbeiteten schon Jean Paul Sartre und Max Ernst. Auch in der Bücherhandlung Shakespeare and Co., in der Rue de la Bûcherie, zeigt sich der Charakter der intellektuellen Elite. Hier stapeln sich alte Bücher bis an die Decke, es riecht leicht vermodert. Das Geschäft zeugt von Stil.
Das Quartier Latin Passend zu dieser jungen Vitalität des Studentenviertles, ist die Rue Mouffetard, die ehemalige südliche Ausfallstraße nach Lion und Rom. Diese Marktstraße besitzt zahlreiche Cafés und Bistros, die zum Beobachten des bunten Marktreibens – immer Dienstag bis Sonntag ab 16 Uhr – einlädt. Für die 50 Meter sollte man sich Zeit nehmen. Oft ist dieser Markt stark überfüllt, sodass das Passieren der Straße einige Minuten dauern kann.
Weitaus weniger lebendig präsentiert sich das Panthéon, welches auf der höchsten Erhebung des Quartier Latins erbaut wurde. Ludwig XV ließ nach seinen Wünschen eine wuchtige, aber helle Kirche erbauen, die er der Schutzpatronin von Paris, der heiligen Genoveva widmete. Doch erst lange nach seinem Tod wurde die Kirche fertiggestellt. Im Jahr 1791, also inmitten der Französischen Revolution. Die Revolutionäre mauerten die Fenster zu und schufen so ein Mausoleum für die Eliten der Grande Nation. Hier ruhen unter anderem Rousseau und Voltaire, Hugo und Zola.
Die Vielfalt im Quartier Latin ist unumstritten. Ob Studenten oder tote Intellektuelle – das Quartier hat für jeden einen Platz bereit. Außer für Balzac. Denn er liegt auf dem Friedhof Père Lachaise begraben, im Osten Paris’.

Teil 1 der Serie ist hier nachzulesen.



2 Responses to “Paris, je t’aime [2]”  

  1. 1 Babe

    je suis d´accord: paris, je t´aime…
    j´ai habité en paris et j´adore cette ville!

  2. alors, dans quel arrondissement tu as habité exactement? ou est-ce que tu as habité en dehors de paris?


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