Vertrauen landet im Müll

• WIRsein Auf Wiedersehen. War nett, dich kennen zu lernen, Vertrauen. Hast mir immer sehr geholfen, aber nun bist du ja weg, auf der Suche nach einer besseren Welt. Stattdessen: Misstrauen. Da verlocken alle, sie nennen das „demokratische Streitkultur“. Find ich doof – aber warum gehst du eigentlich? Eine Polemik mit Zeigefinger.

Es ist weg. Nicht mehr da. Die Leute munkeln, es sei spurlos verschwunden. Stell sich das einer vor: Spurlos! Das heißt ohne jegliche Spur. Einfach unglaublich. Aber wahr. Doch wie sollten wir Vertrauen wieder finden? Vielleicht mit Kritik. Mit SINNVOLLER Kritik. Wer ist schuld am Verschwinden? Begeben wir uns auf die Odyssee nach dem Täter.

1.Verdächtiger: Die Politik

Was gibt es Schöneres für den Deutschen, als all seine Wut auf die Politik zu schleudern? Keine Ahnung! Etwa nichts? Könnte stimmen. Gesundheitsreform hier, Hartz IV da und dort drüben steht die olle Merkel. Und jetzt kommt’s: Arbeitslosen-
quote. „PFUI!“, schreit das Volk. Alte Menschen schimpfen lauthals in der Fußgängerzone bei einem „Explosiv“-Interview über Rentenkürzungen. Junge Beschäftigungslose stehen vor dem Arbeitsamt und verneinen die Frage „Haben Sie an der letzten Wahl teilgenommen?“ Es ist ein Paradoxon in der Öffentlichkeit. Jedem liegt es sichtbar vor den Füßen, aber der Großteil stolpert lieber, als dass er kurz nach unten schaut. Die Ohren stehen lieber weit offen für Begriffe wie: Perspektivenmangel. Dann aber werden Scheuklappen angelegt, wenn es heißt: Wirtschaftswachstum. Logisch, dass hier das Vertrauen gegen Null sinkt, ja viel mehr noch, in den negativen Bereich abdriftet. Ist doch klar.

Da haben wir ja den Täter! So einfach geht das.

Doch wer kommt denn da vorbeigekrochen?

2.Verdächtiger: Die Gesellschaft

Das ist doch auch schön. Neben der Option Politik gibt es ja auch noch die gute alte Gesellschaft. Stecken wir ihr doch einfach die ganze Misere um den Verlust von Vertrauen in die Unterschicht. Los! Das Wort des Jahres 1982 lautet Ellenbogengesellschaft. Na, das ist es doch! Die Gesellschaft knüppelt das Vertrauen zu Boden. Mit seinen Ellenbogen! Zwar punktgenau seit `82, aber egal: Jetzt haben wir die Lösung! Na endlich! Dafür müssten folgende Schlagworte ausreichen: Korruption, Betrug und Lügen. Ja, das charakterisiert unsere Gesellschaft ausgezeichnet.

Da haben wir ja den Täter! So einfach geht das!
„Du bist schuld und du bist schuld und du am Allermeisten!“

(„Die Blechtrommel“, Günther Grass)

Zwei sind Zwei zuviel

Huch! 2 Täter? Irgendwie blöd. Dann muss einer der beiden ein Trittbrettfahrer sein! Wie wählen wir aus? Eene – meene – Muh – und – raus – bist – du!

Schluss damit!

Von wegen. Die Frage nach einem Täter ist die Antwort schlechthin. Gibt es überhaupt einen Verursacher? Ja, um genau zu sein: Stimmt die Überschrift dieses Artikels denn? Die Antwort ist leicht gesagt: Nein. Warum?
Nehmen wir an, dass Vertrauen nicht mehr existiert. Mit dem Verlust des Vertrauens ersetzt das Misstrauen seinen Gegenspieler. Es bringt dann noch Habgier, Egoismus und Rücksichtslosigkeit mit. Folglich wäre ein bedeutender moralischer Wert verloren, da Vertrauen eine unheimliche Auswirkung auf unser gesellschaftliches Verhalten hat. Denn wo wäre die Menschheit ohne Vertrauen?Am Rande der Existenz. Es klingt nach Weltuntergang, ist aber durchaus denkbar. Kein Vertrauen – keine persönlichen Beziehungen – keine Gemeinschaften – keine Welt. So lässt im Anschluss auch die Frage beantworten, ob die Spezies Mensch abgefüllt mit Misstrauen überleben könnte: Sicherlich nicht.

Ein Kompromiss

Wir leben noch lange nicht in einer Zeit, in der Vertrauen komplett verschwunden ist. Doch wägen wir Misstrauen mit Vertrauen ab, so sinkt letzteres immer weiter und der Argwohn steigt gleichermaßen. Er profitiert vom Sinken. Ist dieser Prozess unaufhalt-
sam? Natürlich ist es unlogisch, dass jeder uneingeschränkt vertraut. Das bringt Naivität und Rückschritt mit sich, indem die Menschheit aufhören wird, zu fragen „Wieso, Weshalb, Warum?“ – wer nicht fragt, der bleibt halt dumm. Doch ergibt es genauso wenig Sinn, nur zu misstrauen. Die Abwägung muss die Balance halten. Dabei sollte jeder bei sich anfangen. Versuchen wir es einfach:

V – E – R – T – R – A – U – E – N
Ein Anfang ist gemacht.
Und Täter interessieren nicht mehr länger.



2 Responses to “VERSCHWUNDENES vertrauen”  

  1. 1 mm

    Aber ist nicht genau dieses Anfang-Machen das eigentliche Problem? Viele Politiker würden sicherlich gern mal ehrliche Politik machen und den Bürgern sagen, wie es ausschaut, aber sie tun es nicht, weil Ihnen dann die Medien (vor allem jene mit bunten Bildern) auseinander nähmen. Und die Bürger gleich mit. Siehe dazu Studiengebühren und Mwst.-Erhöhung: Beides war/ist notwendig bzw. gibt es dafür gute Argumente und trotzdem wurde die Diskussion darüber emotional und unsachlich geführt.

  2. 2 patricksimm

    mm schrieb: „Viele Politiker würden sicherlich gern mal ehrliche Politik machen und den Bürgern sagen, wie es ausschaut, aber sie tun es nicht, weil Ihnen dann die Medien (vor allem jene mit bunten Bildern) auseinander nähmen.“

    Und eben das ist das Problem! Die Kritik richtet sich hier an Kritikaster, die alles, was Politiker zu Tage bringen mit vernichtenden Worten bestücken. Genau das bestätigt doch die These, dass es unheimlich an Vertrauen der Politik gegenüber mangelt. Lösung: Regeneration der Moral. Doch nicht von Anfang an, da das Vertrauen ja nun doch nicht gänzlich verloren scheint. Hoffentlich.


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